Wunderkarte: Pfad- und Wegelager
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aus Gegenwart
Aus Druck und Getöse denke ich mich unter die drei Kiefern an der Pferdeweide. Da wölbt sich Sommer über weichen Nadelmatten, und du liegst neben mir, greifst die Zeit aus der Luft und flüsterst sieben, acht Worte über sie hin. Schon fliegt sie auf, dehnt und weitet sich und schwebt zur Erde, ein lichtes Zelt, Raum nicht für dich und für mich, sondern: für uns. Darin kann ich schlafen.
 
 
11. Oktober 2013, 21:30                               ° gerastet

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Fallobst
Im Herbst schmücken sich die Wege mit Nebeln, buntem Laub und schrägem Sonnenschein, und wem das noch nicht reicht, den locken sie mit Nüssen und Trauben. Für uns wäre das nicht nötig gewesen.

Noch in der Dämmerung machen wir uns auf: feuchte Pfade, und das Laub schon deutlich mitgenommen auf dem Weg zum Winter. Was noch blüht, verspätet, scheint unwirklich in seinen lauten Farben. Schön, schön.

Beim Gehen zieht es uns zu einander; auf den Wegen die Hände, an den Aussichtspunkten die Münder, Abstand wie Anstand werden schwierig. Und dann, etwas abseits, mit Blick und Baum und Bänken, eine Aussicht hinter Hecken. Der Baum trägt Nüsse. Nur ein Zuweg, ein schmaler. Und eine Bank, eine bequeme. Wie gerufen.

Mit den Rucksäcken werfen wir alle Bedenken und ein paar Dutzend Lebensjahre von uns und behalten Zärtlichkeit und Lachen und, gegen die Oktoberkühle, genügend Kleidung an. Daß das kein Fehler war, wissen wir spätestens, als wir die Familie im Anmarsch bemerken, erst im allerletzten Augenblick und überhaupt auch nur, weil das Kind noch so klein ist, daß man's hört.

Man grüßt; die Leute nehmen die Bank gleich nebenan, und so sitzen wir denn so brav wir können vor der Aussicht, hoffen, daß man sonst nichts sieht und im übrigen, daß man uns bitte bald wieder allein lassen möge mit Blick, Baum, Bank und mit einander. Wir fühlen uns gestört und werden nicht einmal rot dabei.

Vielleicht verscheuchen wir sie; die Störenfriede ziehen bald weiter. Danach haben wir Glück. (Als wir sie ziemlich viel später auf unserem Weg überholen, sagen wir freundlich Danke.)

Dann gehen wir in die Landschaft hinein, Hügel für Hügel, Kuß für Kuß, und sammeln Nüsse für gleich und Wärme für die Nacht, denn den Rückweg nach dem Dämmer macht ja jedes für sich, während sich die Walnußhälften in unseren Bäuchen nach einander sehnen.
 
 
10. Oktober 2013, 13:27                               ° gegangen

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weiter
Ein Gleis, die Zeit -- zweifach, aus zwei Richtungen, und dann: eine gemeinsame Richtung für beide. Ziel brauchen wir keines, Weg reicht.

Leichte Schritte, weiter und weiter. (Und Gedanken: bis hierher. Und keinen weiter.)
 
 
8. Oktober 2013, 14:07                               ° davor

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Hafen
Nachmittag am Fluß, die Stunde auf den Steinen, wo Dieselschwaden sich vom Wasser lösen und Libellen in Paaren über den glucksenden Ufern pendeln:

Du küßt meinen halben Mund, während die Sonne uns beide rücklings umarmt; das grüne Wasser glitzert, und dein Nacken mit den silbrigen Härchen, oh, so dicht vor meinen Augen. Dein Duft. Die kleinen Küsse, die deine Lippen meiner Handfläche schenken, und die kleinen Feuer, die das in mir anzündet.

Ich kann diese Stunde nicht halten und nicht dehnen, aber ich kann sie mit allem spüren, atmen, aufnehmen und speichern. Und deiner Haut mit meinen Fingern zuflüstern, wie das ist mit uns.

Später, als ich dich zum Zug bringe, fragt mich auf dem Bahnsteig ein Mann mit Krücken: ob ich ihm helfen könne. Nein, sage ich, ich fahre nicht mit. Aber Ihr Mann, sagt er, kann der mir vielleicht behilflich sein? (Noch später hast du ihm zum Aussteigen die Tür aufgehalten.)

Ich korrigiere ihn nicht; ich fahre ja nicht mit. Ich bleibe hier, auf den Steinen am Wasser, bei Libellen und Motorbooten, die Arme um dich geschlungen, im Sonnenschein, mit dir von der Sonne durchglüht.
 
 
4. Oktober 2013, 19:24                               ° gemerkt

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