Wunderkarte: Pfad- und Wegelager
Zittern und Zagen
Dieses Herz, das überläuft. Die Tränen. So kenne ich mich kaum.
21. Dezember 2013, 10:32 ° entfernt
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Nach dem Jüngsten Gericht
Im Zug zurück, ich war noch ganz angefüllt mit Wärme, geteilten Gedanken und Bildern, Blattgold und Ultramarin, herrschte unerwartete Enge. Leute in Wintermänteln standen in den Gängen, bepackt mit ihren Einkäufen. Wir drückten uns dazwischen.
Zweiundzwanzig Minuten Fahrt. Ich hätte nicht so dicht bei dir stehen müssen; die Landschaft wäre auch an uns vorübergezogen, hätte ich Abstand gewahrt. Aber wie da die Fabrikgebäude, wie die Vorortsiedlungen eilig zurückblieben, griff plötzlich der Abschied nach mir.
Und während zwei junge Dinger, behängt mit glänzenden Tüten, schweigend an uns vorbeisahen, suchte ich Zuflucht in deiner Jacke. Lauschte dem Pulsschlag an deinem Hals, verflocht unsere Finger, hinterließ einen nassen Fleck an deinem Kragen, dann hielt der Zug. Du winktest vom Bahnsteig. Ich fand allein einen Platz. Und hatte dir doch längst noch nicht alles gesagt --
Später dann, im Traum: eine Hand, die auf Goldenes zeigte, die herabschwebende Taube, Blicke unter halbgeschlossenen Lidern, Zittern, Zagen, rinnendes Blut. Und du lächeltest dazu: Schau, das geht vorbei.
16. Dezember 2013, 23:42 ° gemerkt
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Dies Bildnis
Dein Lächeln im nächtlichen Licht: du bist ein so wunderschöner Schläfer. Ich möchte, wie du da liegst, in Seidenpapier einschlagen und stets in der wärmsten Innentasche bei mir führen.
15. Dezember 2013, 19:30 ° danach
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Xaver
Gewühl am Bahnhof. Die Anzeigentafel ist weiß vor Verspätungsmeldungen. Dein Zug soll in 45, 55, 60 Minuten eintreffen. Ich betrachte die hastenden Menschen, während die Zeit verrinnt.
Da sehe ich dich auf der anderen Seite des Menschenstroms winken. Ehe mir einfällt, daß du noch gar nicht da sein kannst, ist es plötzlich hell. Die Menge teilt sich, in der Mitte des Gedränges treffen wir uns: du bist es wirklich; du hast einen anderen Zug genommen.
Keine Zeit für einen Kaffee, nicht einmal nach Sitzplatz suchen lohnt sich noch. Wir bleiben in einer Nische stehen, und weil ich dich lieber küssen würde, kann ich mich nicht sattsehen an dir. Dein Lächeln umfängt mich, wir wechseln leichte Worte, und dabei erzählen wir uns in Blicken ganz anderes. Alles Gehetz, die Zeit selbst geht uns nicht an.
Zum Abschied umarmen wir uns dann doch, und dieser Abschied hat keine Macht über uns. Wir gehen leuchtend.
Der mißgünstige Wind hat unserer Stunde nur ein paar Minuten gelassen, aber jede dieser Minuten erhellt meinen Tag für Stunden.
6. Dezember 2013, 17:35 ° gemerkt
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